Viele von Euch, die Ihr im Rahmen von Studentenaustauschprogrammen an die Universität Santiago de Compostela gekommen seid, habt den Wunsch, im Ausland zu leben und zu studieren, um eine fremde Kultur kennen zu lernen, neue Freunde zu finden und um andere Sprachen zu lernen. Ihr habt den idalen Ort gewählt: Galicien.
Ihr kommt aus anderen autonomen Regionen Spaniens, aus dem europäischen Ausland, aus Lateinamerika oder sonstigen Ländern. Ihr müsst bedenken, dass Europa nicht einheitlich ist und die meisten Länder auch eine bereichernde Vielfalt verbergen - Gebiete mit Charakteristika, die sie einmalig und einzigartig machen. Es ist ein Privileg, diese Unterschiede kennen zu lernen und zu erleben.
In Spanien leben verschiedene Kulturen, Bräuche und Sprachen nebeneinander, und die Verfassung erkennt sogar die Existenz historischer Nationalitäten an (Katalonien, Baskenland, Galicien). Die Staatssprache ist Spanisch, während einige autonome Regionen ihre eigenen, jahrhundertealten Sprachen haben, die auch Amtssprachen sind: das Baskische im Baskenland und in Navarra, das Katalanische in Katalonien, Valencia und auf den Balearen und das Galicische in Galicien, wohin Ihr jetzt zum Studieren gekommen seid.
Das Galicische ist die landeseigene Sprache von Galicien. Es enstand aus dem im 9. Jahrhundert in der römischen Provinz Gallaecia gesprochenen Latein, das von den verschienenen Sprachformen der damals ansässigen Kelten/Parakelten (in umstrittenem Ausmaß) beeinflusst war und später sprachliche Elemente der Völker aufnahm, die sich im Laufe der Jahrhunderte in diesem Gebiet niederließen (Sueben, Westgoten und in geringerem Umfang Araber). Nach seiner Blütezeit im Mittelalter wurde das Galicische allmählich immer mehr durch das Spanische verdrängt ? eine über Jahrhunderte andauernde Entwicklung, die sich in der Franco-Diktatur zuspitzte.
Dennoch ist das Galicische immer noch die von der Bevölkerung mehrheitlich verwendete Sprache: 88% der Bewohner Galiciens sprechen sie gewöhnlich oder manchmal, 94% verstehen sie.
Das Gesetz zur Sprachnormalisierung von 1983 hat einen Wiederbelebungsprozess des Galicischen in Gang gesetzt: seitdem sind Behörden, Ämter und andere Einrichtungen und Organismen darum bemüht, dem Galicischen im öffentlichen Leben, im Unterrichtswesen, in der Kultur, Wirtschaft und in den Massenmedien zu mehr Gewicht zu verhelfen.